Das Handwerk des Codens

Kryptische Tasten

Das Konzept »Handwerk« beschäftigt mich in letzter Zeit immer mehr. Jetzt nicht per se im klassischen Sinne von Tischler, Maurer, Maler, sondern im Bezug auf Code.

Ja, auch Coden ist ein Handwerk. Auch im klasssichen Sinne des Wortes. Wir schrauben und tüfteln nur nicht am physischem Material, sondern an Logiken und Output. Wie Ben es schön zusammenfasste: »Wir schreiben Maschinen.«

Nicht immer ist es das tollste Gefühl der Welt sich auf einem gleißenden Bildschirm kryptischen Zeichenfolgen entgegenzustemmen; die Hände auf der Tastatur aus kargem Aluminium und klapperigem Plastik zu haben; sich durch Variablen, Parameter und Zuweisungen zu wühlen und mit spitzem Mauszeiger eine Horde Bugs zu verfolgen. Doch genau wie ein Farmer bereit sein muss, den Tag über knietief in der Scheiße zu stehen, so bin ich bereit, mich mit diesem für die meisten Menschen unverständlichen Gewirr aus Zeichen auseinander zu setzen das sich »Code« nennt, weil ich weiß, dass es am Ende alles logisch, lösbar und handhabbar ist – und mein Hirn das kann, gut kann, und manchmal nur eine Spur zu menschlich ist.

Genau dieser Punkt ist auch die Distinktion von anderen geistigen Jobs: Wir schreiben eine Maschine, ein Produkt, etwas mit dem der Nutzer interagiert. Sei das nun ein Spiel, eine Website, eine Anwendung: der Nutzer (wie der Name schon sagt) benutzt das was wir erschaffen. Großer Unterschied zum Management, zum Finanzwesen, und vielen anderen Berufen: Wir erschaffen, statt zu verwalten.

Immer wenn ich unzufrieden mit der Virtualität meines Berufesinhaltes bin, der Wunsch nach handfesterem Tun als kleine nagende Stimme in meinem Hinterkopf präsent wird, und ich mich frage: »Isses das?!«

Immer dann mache ich mir klar: Wir erschaffen. Jeden – einzelnen – Tag – auf’s – Neue. Das ist der für mich alles entscheidende Punkt warum ich das liebe was ich tue: Coden.

Ja, manchmal wäre es befriedigender wortwörtlich an etwas zu schleifen; manchmal wäre es toll, jemandem das Produkt des eigenen Tuns in die Hand drücken zu können mit den Worten »Fühl mal, hab ich gemacht«; nicht selten wäre es befriedigender, die Anstrengungen der Arbeit im Körper statt im Kopf zu spüren, und sicherlich hat Code auch eine Halbwertzeit die fernab eines guten Whiskies oder eines eleganten Massivholzmöbels ist.

Nichts-desto-trotz: wir können —mal so rein theoretisch— alles zusammentippen was über einen Bildschirm läuft. Das Ergenis unserer Arbeit kann alle Formen annehmen, die in Computerchips abspielbar und auf Bildschirmen abbildbar sind. Jedes neue technische Gerät ist automatisch unser »Playground«.

… und meistens ist das begrenzende Element eher unsere Phantasie oder der etwas zu langsam galoppierende Fortschrit. Das technisch Mach- und Codebare ist im steten Fluß und wir reiten diese Welle. Verdammtnochmal! Wie kann man das denn bitte nicht lieben?

Eben.

2 Kommentare

  1. Ja. Ach. Hach. Danke für den Link, so oder so. Schön, dass sich noch jemand außer mir gerne an den Artikel erinnert.

    Was die Sache angeht: Ja schon. Aber es ist so mühsam. So unendlich mühsam. Und leider bgrenzt ja nicht unsere Phantasie unsere tägliche Arbeit, sondern die Phantasie von anderen, oder meistens: Die Abwesenheit von Phantasie.

    Ich bin so müde.

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