Der neue Füller

Nun auch noch das: nach dem Bullet Journal und diversen Fineliner-Experimenten… ein neuer Füller.

»Das ist nun so hipster, dass es mir fast zu peinlich ist, zum drüber bloggen«, denke ich mir, den Bart kraulend, rücke dann aber doch die Hornbrille zurecht und schreibe den ersten Entwurf dieses Beitrags mit dem neuen Füller in ein kleines Notizbuch.

Pathetisch!

Dennoch frage ich mich: was ist es nur, was das Rumkritzeln von Tinte mit einer Stahlfeder soviel angenehmer als das Tippen macht?

Wahrscheinlich die Geschwindigkeit. Die Gedanken fließen schneller als die Tinte aus dem Füller – bis ich schreibe hat sich alles was aus dem Kopf kommt schon etwas vorsortiert.

An der Tastatur hingegen fliegen die Finger, das Gehirn sprudelt geradezu ins Textfeld und läuft leer,… und dann hängt’s. Beim händischen Schreiben hingegen fließt es und staut sich an, das mag ich.

Dennoch irritiert mich der Füller als solches. Er scheint archaisch, unpraktisch, seltsam aus der Zeit gefallen, gleichsam irgendwie geschmeidig. Und so schreiben wie mit einem Füller kann man mit keinem anderen Schreibgerät.

Ein Füller ist ja auch eines dieser Dinge, die sich dem Besitzer anpassen und dadurch mit der Benutzung besser werden. Die Feder soll sich mit der Zeit, den gefüllten Seiten und den verbrauchten Patronen an den Schreiberling anpassen, weswegen man Füller auch nicht verleiht. Inwieweit das heute noch gilt weiß ich nicht, doch die Vorstellung ist charmant.

Darüber hinaus ist der Füller schön. Sehr schön sogar. Es gibt keine schönen Einweg-Stifte, nur Kugelschreiber gibt es auch in schön. Die Frage drängt sich natürlich auf: Müssen Schreibgeräte, muss ein Füller, schön sein? Nein, müssen sie natürlich nicht. Aber warum sollten sie es denn nicht sein, wenn sie es können?

Ich habe natürlich auch eine Phalanx an relativ günstigen Finelinern, die ich verschenken, verlieren und verstreuen kann (über alle Taschen meiner Welt), und ich schätze das Utlilitaristische.

Doch so ein Füller, der ist irgendwie immer noch was besonderes. Etwas für die guten Gedanken oder den analogen Ausgleich.

Mein Neuer ist von Kaweco. Kaweco macht schöne und mit 14€ sehr erschwingliche Füller. Ich mag meinen neuen Füller.

Auf Kilometer schöner Texte, mit seltenem Gekleckse.

In handschriftlicher Verbundenheit,

euer Arne

3 Kommentare

  1. Tolles Thema! Dann musst du dich auch mal demnächst mit optimaler Schreibtinte beschäftigen, da schlummert ein ganz eigener Kosmos. Ich hatte mir damals überlegt mir den Pilot Fountain Pen Capless zuzulegen, weil ich das Konzept super fand. Bin dem Analogen dann aber doch erst mal wieder abgesprungen. :)

  2. Da bin ich ja fast überrascht, dass Du nicht gleich zu einem Kolbenfüller gegriffen hast. Ich glaub ich pack meinen auch mal wieder aus. Das Kind fängt ja schon an Schreiben zu lernen, da sollte ich meine Handschrift-Hardskills mal etwas entstauben.

  3. @kim: Führe mich nicht in Versuchung… Bisher war mir die Tinte immer relativ egal und ich habe nur beim Papier voll abgenerdet ;)

    @ben: Gute Idee. Gerade wo du doch eine der skurilsten und originellsten Handschriften hast die ich so kenne!

Schreib eine Antwort

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Beiträge