Ein Monat auf dem Land

Das Buch »Ein Monat auf dem Land«

»Dieser lange Sommerausklang. Tag für Tag warmes Wetter, die Stimmen in der Nacht, die erleuchteten Fenster in der Dunkelheit und, bei Tagesanbruch, das sanfte Wogen des Getreides und der warme Geruch der erntereifen Felder. Und jung zu sein.«

J. L. Carrs Roman Ein Monat auf dem Land ist durchzogen von einer durch und durch feinen, wunderschönen Sprache, einer leichten Sehnsucht und einem immer vorhandenen, fast schon zärtlichen Optimismus.

Der Klappentext spricht von »sprachlicher Leichtigkeit und Eleganz« und verspricht wahrlich nicht zuviel. Warum dieses kleine Buch von 1980 uns erst 2016 in einer deutschen Übersetzung beglückt, vermag er hingegen nicht zu erklären. Nun gut, besser spät als nie, denke ich mir.

Es ist der Sommer 1920 im kleinen Oxgodby in Yorkshire. Unser Protagonist Tom Birkin ist Restaurator, dessen Aufgabe es ist, in der hiesigen Kirche ein im Zuge der Reformation übertünchtes Wandgemälde freizulegen und zu altem Glanz zu verhelfen. Tom berichtet all das 58 Jahre später, und ganz sicher ist alles ein wenig verklärt. Womöglich spricht aber auch die Weisheit des Alters aus Tom, wenn er uns seine Erlebnisse schildert, und diesen ganz besonderen Sommer, in diesem wunderbaren Dorf.

Durch das ganze Buch hindurch zieht sich etwas Grundpositives, Herzerwärmendes, auch wenn das Leben der Personen wahrlich nicht das leichteste war, so lässt Carr immer wieder eine Zuversicht und Leichtigkeit hindurch schimmern, die heutzutage in vielem fehlt.

Das Buch rutscht dabei nicht ins Kitschige ab, auch wenn meine Ausführungen hier den Eindruck erwecken könnten. Auf einen verklärte Ausführung Toms folgt bald etwas anderes. Das Erzählte ist interessant und heiter, kurzweilig, manchmal etwas kurios, und Tom ist ein herzlicher Sympathieträger. Man kann ihm bei fast allem zuhören, die Begeisterung mit der er über vieles um ihn herum redet ist ansteckend, und es ist immer toll jemandem zuzuhören, der Ahnung von seiner Arbeit hat und mit Leidenschaft davon berichtet.

Deshalb schließe ich mit diesem Zitat Toms über seine Arbeit, das mir ganz besonders gut gefällt:

»Sie kennen bestimmt das Gefühl, bei einer heiklen Aufgabe gut voranzukommen, weil Sie es so machen, wie es gemacht werden muss; wenn Sie einem gleichmäßigen Rhythmus folgen und darauf vertrauen können, dass sich alle Knoten entwirren und am Ende alles gut wird. Und das war der springende Punkt: Ich wusste, was ich tat – und genau das macht einen Fachmann aus.«

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