Eine haarige Angelegenheit

Männern wird in Sachen Kosmetik ein nicht unerheblicher Hang zum Pragmatismus unterstellt. Zurecht. Die Ursache dafür liegt aber höchstwahrscheinlich in einer gewissen Konsumfrustration.

Beim heutigen Shampookauf stellte sich diese recht schnell ein. Eigentlich war es ein Experiment. Nicht dass ich genau wüsste was ich denn an Shampoo gerne hätte, aber »Hey Werbe- und Produktdesign, ich bin bereitwillig dein Opfer«. Bei weit über sechs Regalquadratmetern müsste ja ein Shampoo für meine Haare dabei sein, denkt man.

Erste Erkenntnis: von der Kunterbunten Shampoo-Wand sind 90% der Flaschen für Frauen. Gut. War abzusehen. Das Herrenshampoo ist nicht gesondert einsortiert, sondern die Shampoos nach Marken. Wunderbar. So erfahre ich auf der Suche was frau sich so in die Haare schmiert. Trotzdem werden rosafarbene Shampooflaschen ausgeblendet, also ca. 30% weniger Auswahl. Das Leben kann so einfach sein. Spülung subtrahiert und schon stellt sich so etwas wie Überblick ein.

Nivea for Men gibt den Shampoos englische Namen, so wie »COOL KICK« um sie dann im Beschreibungstext übersetzend zu erklären: “Verleiht einen Frische-Kick”, ja sach bloß. Dass das ganze noch von Jogi Löw empfohlen wird, macht es nicht besser. Der Mann ist ja nicht wegen seiner Haare Bundestrainer.

Guhl bietet eine herzerwärmende Auswahl mit beklemmenden Preisen. Eines der Shampoos »befreit von Rückständen – für eine erfrischenden Neubeginn«. Schade, wird nix mit uns. Ich wollte nur meine Haare waschen, nicht mein Leben verändern.

Dafür bietet Guhl genau ein Männershampoo. Konsequent. Das Etikett sagt »Man – Kraft & Energie« und das Shampoo enthält Hopfen. Warum »Man« in Englisch daher kommt – wohlgemerkt das einzige Englische Wort in allen Guhl Shampoos (abgesehen vom Wort »Shampoo«) weiß auch nur der Produktdesigner. Sie hätten das Shampoo gleich »Kraft & Hopfen« taufen sollen. Männer mögen sowas.

Die Damenshampoos von Nivea, die man gewagt als Unisex einstufen könnte, glänzen mit Beschriftungen, die wie typographisch Erbrochenes anmuten. Immerhin, ich gucke fünf Sekunden länger hin – die braucht man um die Aufschrift zu dechiffrieren. War Nivea nicht mal sowas wie die »No Bullshit«-Marke der deutschen Kosmetik? Egal. Wir kommen heut nicht mehr zusammen.

Nochmal Guhl. Guhl »Natürlicher Schwung« mit Ei und Cognac. Nach dem Hopfen im Männershampoo komme ich zum Schluss, dass Shampoos von Guhl besser im Magen als in den Haaren aufgehoben sind.

Syoss schreibt drauf was drin ist, nämlich 0% Silikon (aha?!) und liefert mit 500 ml einen Grund sich eine sehr ausgiebige Weile nicht mehr mit dem Scheiß beschäftigen zu müssen. Außerdem klingt Syoss wie eine griechische Gottheit. Gekauft.

Auf dem Weg zur Kasse stellt sich mir noch kurz die Frage, warum das Deodorant eigentlich maximal weit weg vom Haarshampoo ist. Wahrscheinlich ergaben Tests mit intelligenten Hamstern, dass dieses Ladendesign die Verweildauer im Geschäft erhöht.

An der Kasse geht es für einen Samstagnachmittag erfreulich schnell. Immerhin.

Demnächst ist meine Feuchtigkeitscreme alle. Ich freu mich jetzt schon.


Foto: Ausschnitt aus einem Bild der Serie “a(part) together” von Katie Shapiro

7 Kommentare

  1. Als was Shampoos angeht hab ich ja seit langen Jahren einen klaren Favoriten: Head and Shoulders. Das ist zum einen Unisex. Riecht prima. Und man bekommt ganz sicher keine Schuppen, was bei meinem Hang zu schwarzen Hemden nicht ganz unwichtig ist.

  2. „Nach dem Hopfen im Männershampoo komme ich zum Schluss, dass Shampoos von Guhl besser im Magen als in den Haaren aufgehoben sind.“ – hihi, vielleicht besser im Magen eines Alloholilers.

    Und nix gegen „Cool Kick“! Von diesem coolen Namen (entspanntes Fußballspiel) lass ich mich ja stets blenden. Es ist das Shampoo meiner Wahl – wenn die Flasche mal wieder leer ist: http://blog5.fussballkompetenz.de/files/all_uploaded_images/flasche-voll-leer.jpg

  3. Da Pragmatismus bei so Schaum-erzeugenden Produkten bei mir absoluten Vorrang genießt, bin ich seit geraumer Zeit mit „Adidas Hair & Body“ zufrieden. Noch konsequenter wäre nur noch „Active3“ von Nivea – da ist dann auch noch das Rasiergel mit drin. Bleibt abzuwarten, wann sie die BBQ-Sauce noch mit reinfrickeln.

  4. @ben: ich werde H&S dann beim nächsten Kauf in Betracht ziehen ;)

    @Thomas: Hm, die Konnotation „entspanntes Kicken“ ist mir bisher total abgegangen. Mir, dem Linguisten (wie peinlich)

    @mo: Das Active3 stand natürlich auch nicht beim Shampoo wo es (u.a.) auch hingehört :)

    @Stefan: Liegt am Cognac oder am Ei?! ;))

  5. amüsant geschrieben, monsieur.

    diese prozedur kenn ich auch. wir müssen mal zusammen losziehen und pro-contra listen für feuchtigkeitscremes erstellen – ich hab nämlich auch mal wieder bedarf :)

Schreiben Sie uns einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Passend zum Thema