Langeweile ist Luxus, Baby

Hölzerne Monotonie

Die Langeweile genießt einen eher schlechten Ruf – zu unrecht, wie ich finde. Allzu oft wird vergessen (gern auch von mir), dass sie uns hilft, wieder klarzukommen.

Unsere Sinne kennen das Konzept Langeweile gar nicht. Irgendwas fühlt, riecht, schmeckt sieht oder hört man ja doch immer. So gesehen ist »Langeweile« auch etwas relativ.

Der eigene Geist ist dabei ’ne Spur verrückter: Viele neue wilde Sinneseindrücke führen zu Ideen, Ideen führen zum Denken, Denken ist schnell mit weiteren Gedanken in fantastischer Gesellschaft und »PROPF!« ist irgendwann die Pipeline voll.

Sicherlich auch ’ne Typfrage, aber bei mir verstopft das ach so aufregende Leben nicht selten den Kopf. Gerade deshalb ist die Langeweile, a.k.a. »einfach mal Nichts tun«, nicht wirklich laaaaaangweilig, sondern umschreibt eher den Zustand einer überwältigenden Trägheit des Gehirns, in der es zufriedenerweise mal gar nichts bewusst tut. Das ist entspannend und taut nach einiger Zeit das geistige Gefrierfach mal ordentlich ab.

In meinem vorletzten Urlaub war ich durchgängig in Hamburg. Es gab immer was zu tun. Es war fürchterlich. Was hätte ich gegeben für eine große saftige Portion Langeweile. Für den glorreichen Zustand in dem das Gehirn vor sich hin dämelt. Mein jetziger Urlaub ging deshalb nach Dänemark, ins Nirgendwo, am Strand irgendwo.

Hier nochmal die Erinnerung an mich selbst:

Genieß die Langeweile solange sie da ist, suche sie wann immer du kannst. Wenn du denkst du hattes genug Langeweile, bleib noch ein Bisschen. Und wenn du dann so richtig ab- und durchhängst: Glückwunsch. Da hast du alles richtig gemacht

7 Kommentare

  1. Hast ja Recht :) Muss ich mir merken für meinen nächsten, in nicht weiter Ferne liegenden Urlaub…

  2. Suchst Du den Freiraum, den eigenen Geist mal wieder zu ‚defragmentieren‘, die ganzen Eindrücke des Alltags sich setzen zu lassen und sich selbst in den Wirrungen des eigenen Lebens wieder klarer zu verorten? Oder einen Geisteszustand völliger Leere, totaler Versenkung ins Nichts-Denken?

    Das eine geht wahrscheinlich dem anderen voraus, aber die Motivation kann sehr unterschiedlich sein. Schön und, wenn man so will, „edler“ finde ich den Begriff der Muße, der, wie mir scheint, gerade etwas wiederentdeckt wird. Langeweile ist okay, aber Untätigkeit über das Von-Anstrengung-Ausruhen ist mir fremd, deshalb suche ich Langeweile nicht. Solange ich die Muße habe, einen kleinen Teil meines Lebens selbst zu gestalten als ’nicht-produktiv‘. Es ist es mir unendlich wichtig, auch im Alltag Freiräume zu verteidigen, auch wenn es nur ein paar Minuten sind, Momente, die erstmal nur mir gehören: einen Sonnenaufgang betrachten, zwei Stunden freinehmen und ausgiebig frühstücken gehen (ohne Handy), am Wochenende in der Welt eines Computerspiels aufgehen oder den Garten gegen Unkraut verteidigen … – Das sind zwar alles Aktivitäten, aber solche, die die Zeit und die nächsten Aufgaben hoffentlich vergessen lassen und außerhalb unseres allgegenwärtigen Produktivitätsdrucks stehen. Wie Du schreibst, unsere Sinne kennen (und ich glaube, wollen) auch keine andauernde Ruhe. Alles eine Frage des Gleichgewichts…

    Danke für den nachdenkenswerten Post!

  3. Oh. Puh. Die nächste Langeweile dürfte für mich noch ein paar Aeonen hin sein. Aber das Photo ist schön. Ich mag graues Holz sehr.

  4. herrlich, bin ich doch mal durch zufall wieder auf deinen blog geraten und lese soetwas….gerade wo bei mir alles durcheinander geht und ich nicht ein und aus weiß, ist das ein genuss…ich freue mich auf meine nächste langeweile, danke!

  5. Dazu fällt mir ein: „Vita activa – Vom tätigen Leben“ von Hannah Arendt, das ich allerdings bis jetzt nur aus Erzählungen kenne. Aber es geht genau darum, dass man seine Freizeit eben („heutzutage“) auch noch „aktiv“ gestaltet und irgendwie nur das zählt. Was aber zu kurz kommt, ist das Nachdenken über die Dinge, die man eigentlich den ganzen Tag tut. Das stellt sich ja bei ausreichender Langeweile von alleine ein.

Schreiben Sie uns einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Passend zum Thema