Nachtsucht

Und so flüchte ich mich in die Nacht. In die Träume, in die Dunkelheit. Im Schlaf ist alles anders, in den Träumen vieles schlimmer, aber in glücklichen Nächten schildern die Träume Situationen die im Leben nie so passieren: Die Momente des größten vorstellbaren Glücks, das sich mein Bewusstsein und mein Herz erträumen können. Frei vom Zwang des Tages.

Die Nacht wird zum neuen Freund. Zum Wegbereiter für das Alles anders Machen. Zum Gegenpol des immergleichen Alltags. Nachts ist alles möglich. Man erfindet sich immer neu, nur für den Moment, für den Abend, für das Wochenende. Nachts ist wie die Träume. Du kannst sein wer du willst, aber manchmal bist du auch nur Gefangener deiner Gefühle, deiner Impulse und Ideen.

Die Tage dagegen ziehen sich, werden länger, es ist ja auch Frühling. Zwischen dem ersten Kaffee am Morgen und dem Mittagessen ist das Immergleiche und danach das Meistens Ähnliche. Der Körper gewöhnt sich, reagiert nur noch, agiert nicht mehr. Auch wenn die Welt tagsüber eine hübschere ist, die Sonne das ist was man gerne sieht, so sind die Tage doch nur Schablone, die Nächte hingegen sind alles.

Der schönste Moment von allen ist genau der, wenn sich die Nacht verabschiedet und sagt:

»Seht was ich vollbracht habe, ich habe den Menschen Ruhe und Abenteuer gegeben. Ich war das Andere, das Dunkle, das Schemenhafte, das Wahre.«

Mit den ersten Sonnenstrahlen übernimmt der Tag das Kommando. Mit ihm Fakten. Mit ihm Stabilität, Licht, Struktur.

Nichts davon möchte ich derzeit in meinem Leben haben.


Illustration: Ausschnitte aus „Icarus“ von Joe Carr

2 Kommentare

  1. Auch noch gut an der Nacht: Es kommt nichts im Fernsehen, man kann nicht einkaufen, niemand ruft an und es ist still.

    Außerdem darf man unsanktioniert Whisky trinken und schlechte Actionfilme gucken, was gemeinsam nochmal soviel Spaß macht, mein junger Jedi.

    Ich glaube viele meiner besten Erinnerungen sind Nachts.

  2. Man ist allein. Für sich.

    Das hat schon der größte Künstler der Menschheitsgeschichte, ein gewisser J. Carre-y, als tiefe Einsicht von sich gegeben : „I tend to stay up late, not because I’m partying but because it’s the only time of day when I’m alone and I don’t have to be on, performing.“

    ;)

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