Springer ins Aus

Corporate Zombie © Nik HolmesEs passiert selten, dass ich mich innerlich von oben bis unten bepisse. Wortwahl hier bewusst. Aber wenn sich die “Qualitätspresse” von Springer erstens komplett selbst überschätzt, und dann noch das Internet nicht versteht, da bin ich nichmal mehr traurig, sondern heule innerlich vor Lachen. Kurzum geht es um folgendes: Die Führungsetage des Axel Springer Verlag denkt allen ernstes, er kann a) iPhone nutzer aussperren und b) sie dann noch abziehen.

Also bitte mal: Stell dir vor du willst in eine öffentliche (!) Bibliothek, und der Bibliothekar sagt dir “Du kommst hier net rein.” Und du nur: “Und warum?” Der Biblothekar: “Du trägst ‘ne Brille. Aber für einmalig 10,- € und monatlich 5,- € kriegst du ‘n Ausweis, und mit dem darfst du hier jederzeit zum Lesen rein.” Und du nur so: “Ääähm ja?! Aber ohne Brille darf ich rein?” Biblothekar: “Ja klar. Auch mit Kontaktlinsen. Liegt halt an der Brille, nehmen se’s nicht persönlich.”

Fassen wir zusammen: Ohne meine Brille dürfte ich direkt alles in der Bibliothek lesen. Aber es ist vielleicht weniger bequem. Prinzipiell kostet mich also nicht das Lesen, sondern das Tragen der Brille dabei Geld.

Klar, der Vergleich hinkt. Denn in der Bibliothek findet sich auch gute Literatur mit Niveau hüstel. Mit dem Computer komme ich umsonst auf Bild.de & Welt.de, sowie den ganzen anderen Schrieb des Axel Springer Verlages. Nur für komfortables Lesen unterwegs auf dem iPhone zahle ich?

Springer will sogar ein Abo-Modell etablieren. Oh Scheiße, es wird immer besser. Was machen die als nächstes? Die RSS-Feeds einstellen?

Erwartet man von einer Branche, deren Führungs-Dinosaurier sich offensichtlich selbst so wenig ernst nehmen, noch ernsthaft mehr, als dass sie einfach nur jämmerlich zugrunde geht?


Bild: “Corporate Zombie” © by Nik Holmes, gefunden auf www.threadless.com

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