This crazy little Thing called Relaunch

It‘s Relaunch Time, Baby | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA
It‘s Relaunch Time, Baby! | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Was dem Rockstar seine Welttournee, ist dem Webentwickler sein Relaunch: dauert gerne mal ein Jahr, macht man auch nicht öfter als alle fünf Jahre mal, und es sind immer durchweg aufregende Zeiten. Was ich damit sagen will: Die Website von ZEIT ONLINE erstrahlt seit gut einer Woche in neuem Glanz. Sie ist sowohl optisch wie auch technisch runderneuert, denn das gebietet der Zeitgeist mit seiner Mode ebenso wie der aufaufhaltsame technische Fortschritt.

Bei so einem Relaunch ist immer viel zuviel zu tun. Nicht nur ein Bisschen zuviel, mehr so: nachdem wir wochenlang 120% gegeben hatten, brachten wir es morgens am Pre-Launch-Wochenende noch immer auf mindestens sechs Wochen Verspätung.

Coden, coden, coden… | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA
Coden, coden, coden… | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Diese Zeit, wenn das Launch Datum feststeht, und man dorthin rudert, das sind für mich immer extrem komische Wochen. Ganz fertig werden ist durchweg illusorisch, da bin ich schon irgendwie Realist (und nicht das erste mal dabei). Trotzdem ist da die Neugier zu schauen, wieviel wir in dieser Zeit auf die Beine stelle können. Darum mal zu sehen was der Einzelne und das Team so schaffen können. Mal so richtig drin zu sein, im Flow. Und es geht auch ums Drumherum: der Galgenhumor, die Club Mate, die Insider, die schlechten Witze, und eine Prise Rockn’n’Roll Livestyle. Wir wurden sogar verdächtigt, in Wirklichkeit eine fette LAN-Party zu schmeißen — was dem Gefühl und Geisteszustand an einem Pre-Launch-Wochenende durchaus nahe kommt.

Die Wochenendresizenz | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA
Die Wochenendresizenz | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Nach fast einem Jahr ist die Website dann fertig, dieses Ding, das man da allerfiligranst zusammengezimmert hat, das sich anfühlt wie das größte Puzzle, das man bisher lösen durfte. Doch bevor es nicht live war, waren es irgendwie nur Einzelteile. Doch dann, wenn die Artikel mit neuen Features gebaut und die Homepage mit echten Inhalten statt mit Katzenbildern bestückt in die Freiheit entlassen wird, dann fängt es richtig an zu leben, und man selbst begreift, was man da eigentlich zustande gebracht hat. Dass es sich gelohnt hat, über die Details zu diskutieren, und sich nicht mit Wischi-Waschi-Lösungen zufrieden gegeben zu haben.

Manchmal läuft es nicht so wie man sich das vorgestellt hat | Foto von Arne Seemann unter CC BY-SA
Manchmal läuft es nicht so wie man sich das vorgestellt hat | Foto von Arne Seemann unter CC BY-SA

„Live sein“ heißt nicht, dass die Website fertig ist, sondern nur, dass du es jetzt sein darfst.

Wenn dann der Launch nicht so glatt läuft wie man das gerne hätte, und man als Frontender leidend wartet, weil man zwar das Problem versteht, aber keinen Plan von einer möglichen Lösung hat, dann bleibt das Launch High aus und man rutscht direkt in die Post Launch Depression. Das ist bei uns ein geflügeltes Wort, diese Post Launch Depression, die mein Kollege Nico wunderbar in Worte zu fassen vermochte.

Zum Glück weiß man um die PLD inzwischen, weiß dass sie verfliegt, auch wenn sich die Woche nach dem Launch wie Kaugummi anfühlt. Man weiß, dass man jedes liebe Wort zur neuen Website tunlichst in sich aufsaugen sollte, bis die PLD kapituliert hat und man ein Schwamm der Glückseligkeit ist. Es hilft zugegebenermaßen auch, dass es wirklich Spaß macht, auf der neuen Seite zu surfen.

Das inoffizielle Motto, in Formvollendung gegossen durch den unglaublichen Nico Brünjes
Das inoffizielle Motto, in Formvollendung gegossen durch den unglaublichen Nico Brünjes

Am Ende ist es schon ein großes Gefühl zu wissen, dass man zusammen etwas gebaut hat, das Millionen Menschen nutzen, egal auf welchem Gerät sie ZEIT ONLINE gerade lesen. Das allerbeste ist jedoch, das alles mit so einem fantastischen Team gemeistert zu haben, welches ich jetzt noch viel lieber mag als vorher. Danke Leute, ihr rockt!

6 Kommentare

  1. Glückwunsch! Ich habe tatsächlich noch nie so einen professionellen, vernünftigen und behutsamen Relaunch gesehen, wie den 2015er von Zeit Online. Dass ich immerhin ein bisken mit dran mitarbeiten durfte, lindert ein wenig den Schmerz, inzwischen soweit davon weg zu sein.

    Darum seien mir vielleicht auch zwei Einwürfe erlaubt.

    1. „Was dem Rockstar seine Welttournee, ist dem Webentwickler sein Relaunch: dauert gerne mal ein Jahr, macht man auch nicht öfter als alle fünf Jahre mal“ … schöne Metapher, aber leider nur für einen sehr kleinen Teil der Webentwickler die Wahrheit.
    2. „… egal auf welchem Gerät sie ZEIT ONLINE gerade lesen“ das fand ich schon in Jochen Wegners Ankündigung ziemlich hochmütig. Die Gerätevielfalt ist, gerade wenn man in der Zeit noch zurück geht, echt krank.
  2. @ben_: Der Gerätevielfalt komplett Herr zu sein ist natürlich illusorisch. Deshalb haben wir das gemacht, was man halt so macht: ein HTML für alle und mobile first. Dadurch können jetzt mehr Leute ZEIT ONLINE auf mehr Geräten lesen, und das in besserer Qualität. Auf deinem Videorekorder wird es natürlich nicht laufen.

  3. @Arnalyse: Was ihr gemacht macht ist schön und gut und richtig. Vermutlich sogar, das Beste, was man derzeit machen kann. Sogar die Definition von „das Beste, was man derzeit machen kann“ weiter verschiebend.

    Aber ich würde halt heute weniger denn je von „allen Geräten“, sprechen, weil es heute mehr denn je falsch ist.

  4. Hier gibts ja keine reactions. Daher: Das was Nico sagt! Und: So schön geschrieben. Da wird man wehmütig!

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