Was Technologie will…

Rostender Gril

»Wo soll das nur hinführen?« Oder besser: »Wo kann das nur hinführen?« Diese Frage bezogen auf die Rolle von Technologie zermartert mir gerne das Hirn, seitdem ich meinen jugendlichen Leichtsinn abgelegt habe.

Vor allem geht es um die Rolle, die ich Technologie in meinem Leben eingestehen möchte. In meiner Jugend habe ich alles was aus einem Bildschirm kam nur so aufgesogen. Wenn noch ein paar Knöpfe dran waren: umso besser. Die dominierende Frage war: »Was kann Technologie noch alles tun?« Und damit wir uns nicht falsch verstehen, das Motto war dabei immer: Wer kann, der soll!

Heute hat Technologie für mich sehr viel von ihrer Allmacht, von ihrem Imperativ eingebüßt. Das Alter… seufz. Vieles was ich als wünschenswert oder sinnvoll erachten würde wird nicht gebaut, gemacht oder genutzt. Gleichzeitig wird ein nahezu sinnfreier Kampf um die Aufmerksamkeit und Inhalte des Benutzers geführt. Seien es nun Home Automation oder Notifications oder Fotoverwaltung: keines dieser Probleme wurde bisher so gelöst, dass es dezent, intelligent, zuverlässig oder skalierend seinen Dienst tut.

Man spricht hier gerne von leaky abstractions: der zugrundeliegende technologische Unterbau scheint immer durch. Notifications wollen in erster Linie gehört werden, und nicht dem Nutzer dezent und angemessen helfen. Home Automation funktioniert nur unter idealen Voraussetzungen und ist in jedem Mehrfamilienhaushalt dem guten alten Lichtschalter in Sachen Benutzbarkeit hoffnungslos unterlegen. Fotos kann man in den heutigen Zeiten am schönsten und sichersten auf eine Art und Weise verwahren: in Fotobüchern.

Das alles ist derzeit zwar immerhin beeindruckend, doch gleichzeitig nicht viel mehr. Technologie in unserem Leben fühlt sich an wie ein Teenager, der trotz großer Unsicherheit ganz dick aufträgt und sehr rumpelig daherkommt. Permanent aneckt. Mit seinen Kräften prahlt. Dem es an Erfahrung und Benimm fehlt. Der sich für den Größten hält, obwohl alle wissen: Du hast noch viel vor dir.

Wenn ich mir heute die Frage stelle, wohin die Reise mit Technologie geht, komme ich zu der Antwort: »In den Hintergrund!« Technologie ist so schnell so groß geworden. Alle haben gesehen was sie kann. Nun wird es allmählich Zeit, dass sie ihren platz in der Gesellschaft findet, dass sie aufhört sich in den Vordergrund zu drängen. Jetzt wird es Zeit, dass sie ein paar Manieren lernt.

Ein Kommentar

  1. Sehr schön geschrieben und ein sehr, sehr, sehr guter Punkt. Da bin ich voll dabei. Allein es stellt sich die Frage: Wie können wir Technologie Manieren beibringen? Oder anders: Haste mal Beispiele für wohlerzogene Technik? Mir fallen ad hoc auch ein paar ein, aber ich warte lieber, bis ich Deine kenne.

    Ach und … dass Du Deinen „jugendlichen Leichtsinn abgelegt“ hättest, wüsste ich aber. ;]

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